Die Einfahrphase ist der Zeitraum vom Befüllen eines neuen Aquariums bis zum Erreichen eines stabilen biologischen Gleichgewichts. In dieser Phase bilden sich die nitrifizierenden Bakterien, die das giftige Nitrit in ungiftiges Nitrat umwandeln – ein Vorgang, der als Nitrifikation bezeichnet wird. Erst wenn der sogenannte Nitritpeak überstanden ist und Nitrit nicht mehr nachweisbar ist, dürfen die ersten Tiere eingesetzt werden. Ein Aquarium braucht in der Regel 2–12 Wochen, bis es vollständig eingefahren ist – mit gezielten Maßnahmen lässt sich diese Zeit jedoch deutlich verkürzen.
In diesem Ratgeber erfährst du Schritt für Schritt, was in den ersten Tagen und Wochen in deinem Aquarium passiert, wie du den Nitritpeak sicher erkennst und überbrückst, welche typischen Fehler du vermeiden solltest und wie du die Einfahrphase mit bewährten Methoden beschleunigen kannst.
Einfahrphase auf einen Blick – 7 Fakten
- Definition: Zeitraum vom Befüllen bis zum stabilen biologischen Gleichgewicht
- Dauer: 2–12 Wochen (abhängig von Maßnahmen und Beckengröße)
- Kernprozess: Nitrifikation – Ammonium → Nitrit → Nitrat durch Bakterien
- Nitritpeak: Gefährlicher Anstieg von Nitrit, der vor dem Tierbesatz abgeschlossen sein muss
- Typische Algen: Kieselalgen (braun, Woche 2–3), dann Grünalgen – beides ist normal
- Beschleunigung möglich: Durch Bakterienpräparate, Filterschlamm-Animpfen und dichte Bepflanzung
- Wichtigste Regel: Keine Parameter ändern – Geduld und Durchhaltevermögen sind entscheidend
Über den Autor: Ich bin Eike, leidenschaftlicher Aquascaper mit über einem Jahrzehnt Erfahrung, Betreiber des YouTube-Kanals „Emotion in Aqua" und dieses Blogs. Ich habe dutzende Becken von Grund auf eingefahren – vom Nano-Cube bis zum 240-Liter-Scape – und dabei sämtliche Höhen und Tiefen der Einfahrphase durchlebt. Dieser Ratgeber basiert auf meinen praktischen Erfahrungen und dem Austausch mit der Aquaristik-Community.
In meinem Video erkläre ich dir ausführlich, was während der Einfahrphase passiert und worauf du achten musst:
Hardscape im Aquascape vor der Bepflanzung – der Startpunkt für die Einfahrphase
Inhaltsverzeichnis
- Was bedeutet es, ein Aquarium einzufahren?
- Was passiert in den ersten Tagen?
- Wochenplan: Typischer Ablauf der Einfahrphase
- Der Nitritpeak im Aquarium
- Verspäteter Nitritpeak – Ursache und Gegenmaßnahmen
- Wie lange dauert die Einfahrphase?
- Einfahrphase beschleunigen – so geht's
- Fehler während der Einfahrphase
- Erster Besatz – wann und welche Tiere?
- Checkliste: Ist mein Aquarium eingefahren?
- FAQ – Häufige Fragen zur Einfahrphase
Was bedeutet es, ein Aquarium einzufahren?
Als Einlauf- bzw. Einfahrphase bezeichnet man die Zeit ab dem Befüllen des Aquariums bis zu dem Punkt, an dem das Aquarium ein stabiles biologisches Gleichgewicht erreicht hat.
In dieser Phase werden verschiedene Algen um die Vorherrschaft in dem neu aufgesetzten Biotop kämpfen und sich dabei zum Teil heftig vermehren. Dein Becken wird in dieser Zeit oft recht unansehnlich erscheinen und dir einige Kopfschmerzen bereiten. Hierüber brauchst du dir jedoch keine Sorgen zu machen, denn diese Phase ist aus biologischer Sicht völlig normal und reguliert sich wieder von selbst, sofern du ein paar Dinge beachtest.
Damit sich im Aquarium überhaupt ein biologisches Gleichgewicht entwickeln kann, müssen sich zuerst einmal gewisse Bakterien bilden. Diese Bakterien sind notwendig, damit Schadstoffe im Becken abgebaut und umgewandelt werden können. Man spricht hier konkret von der sogenannten Nitrifikation, bei welcher eine Umwandlung von dem giftigen Nitrit in das ungiftige Nitrat stattfindet.
Sind diese Bakterien allerdings noch nicht in deinem neuen Biotop etabliert, kommt es nicht zu dieser essenziell wichtigen Umwandlung. Deshalb sollte man ein Aquarium immer erst entsprechend einfahren, bevor man Fische, Garnelen und Schnecken einsetzt und der sogenannte, für die Bewohner ansonsten tödlich verlaufende Nitritpeak überstanden ist.
Sofern du jetzt ein paar Dinge beachtest, kannst du deinem Ziel eines stabil laufenden Aquariums von Anfang an unterstützend beisteuern und die Einfahrphase sogar verkürzen – ohne den ergänzenden Einsatz von zusätzlichen Präparaten.
Einfahrphase im Aquarium – typische Erscheinungen in den ersten Wochen
Gerade wenn du das erste Mal ein Aquarium startest, brauchst du dir keine Sorgen über das typischerweise aufkommende Algenwachstum innerhalb der Einfahrphase zu machen. Algen sind zu Beginn eines neu eingerichteten Beckens etwas völlig Normales. Auch wenn die Ausbreitung und das teilweise heftige Wachstum dieser Algen in diesem Stadium echt übel ausfallen kann – nach einer gewissen Zeit und gezielt unterstützenden Maßnahmen sowie einem optional ergänzenden Einsatz von Fressfeinden lassen sich Algen sogar innerhalb relativ kurzer Zeit drastisch reduzieren.
Ein neu eingerichtetes Aquarium sieht anfangs immer sauber und ordentlich aus. Es ist aus biologischer Sicht jedoch ein praktisch „totes" Aquarium, völlig ohne jegliches Leben.
Auch wenn Aquascapes den Anspruch eines ästhetischen, lebenden Kunstwerks erheben und man die vielen beeindruckenden Bilder perfekter Becken vor Augen hat – ein neu aufgesetztes Aquarium ist ein in sich komplett instabiles Ökosystem und bleibt auch im Nachgang stets ein agiles, lebendes System mit verschiedenen natürlich-biologischen Prozessen und Veränderungen.
Mach dich also nicht verrückt und bewahre – nicht nur in der Einfahrphase – stets die Ruhe und gib deinem Becken einfach die entsprechende Zeit, sich auf die anstehenden Änderungen einzustellen!
Was passiert in den ersten Tagen in einem neu gestarteten Aquarium?
Hier legen wir den Fokus auf die Punkte Pflanzenumstellung, Algenwuchs und die einsetzende Nitrifikation.
Wenn du Wasserpflanzen * kaufst und in dein Becken einsetzt, befinden sich diese oftmals noch in ihrer emersen Wuchsform, da sie überwasser (also emers) in den Gärtnereien gezüchtet werden. Die Wasserpflanzen – und hierbei selbstverständlich auch In-vitro-Pflanzen – brauchen nun etwas Zeit, um sich auf das Wachstum unter Wasser (das submerse Wachstum) umzustellen.
Gerade in dieser Zeit der Umstellung der Wasserpflanzen und des gesamten mikrobiologischen Ungleichgewichts machen sich verschiedene Algenarten die mangelnde Konkurrenz zunutze, um sich quasi hemmungslos auszubreiten.
Kieselalgen – die ersten Besucher
Meist bleibt das Aquarium in den ersten Tagen bzw. der ersten Woche noch recht sauber. Doch spätestens ab der zweiten Woche entwickeln sich dann in der Regel die ersten braunen Algenbeläge – die sogenannten Kieselalgen. Vor allem Kieselalgen, die bräunlich-schmierige Beläge produzieren, etablieren sich überwiegend sehr schnell in einem neu aufgesetzten Biotop.
Auf dem Bodengrund und auf deinem Hardscape zeigen sie sich durch eine bräunliche Schicht, oftmals mit anhaftenden Sauerstoffbläschen. Diese Algen verbrauchen für ihr Wachstum viel Kieselsäure. Sobald diese jedoch verbraucht ist, gehen sie ganz von selbst wieder zurück. Dies dauert ca. 1–3 Wochen.
Im weiteren Verlauf kommen dann mehr und mehr fadenähnliche Grünalgen sowie grüne Algenbeläge hinzu, da das Gleichgewicht zwischen den Pflanzen und den Algen einfach noch nicht ausgewogen ist.
Biofilm, Kahmhaut und Abwasserpilz
Während der ersten Tage passieren viele wichtige Dinge im mikrobiologischen Bereich, die man mit bloßem Auge gar nicht erkennen kann. Was man jedoch deutlich erkennen kann, sind die Ergebnisse dieser Prozesse: An den Scheiben bildet sich bereits nach wenigen Tagen eine leicht schleimige Schicht, und an der Wasseroberfläche zeigt sich oft ein öliger Bakterienfilm, die sogenannte Kahmhaut.
Falls du Wurzelhölzer in deinem Becken hast, entdeckst du vielleicht auch weiße Beläge an diesen, insbesondere an deren Bruch- und Schnittstellen. Diese stellen keinen Schimmel dar, sondern sind gute Anzeichen dafür, dass dein Aquarium jetzt richtig „einläuft" – d.h. die nützlichen Bakterien vermehren sich und bilden sogenannte Biofilme, oft auch in Gemeinschaft mit Algen wie den braunen Kieselalgen. Besonders gut vermehren sich diese Biofilme an nährstoffreichen Orten wie z.B. an Hölzern. Diese weißen, ähnlich wie Schimmel aussehenden Beläge werden Abwasserpilz genannt.
Der Stickstoffkreislauf startet
Langsam nehmen nun in dem einfahrenden Aquarium die nitrifizierenden Bakterien ihre Tätigkeit auf. Genauer gesagt den Abbau bzw. die Umwandlung von Ammonium und Ammoniak zu Nitrit, und von Nitrit (welches höchst toxisch für die meisten Aquarientiere ist) zu Nitrat.
Um den sogenannten Stickstoffkreislauf in Gang zu bringen, müssen sich zuerst bestimmte Bakterienstämme entwickeln. In deinem kleinen Ökosystem entstehen mit der Zeit verschiedene organische Abfälle – z.B. durch das Absterben von Pflanzen, Futterreste und tierische Ausscheidungen.
Besonders wichtig ist hierbei der Prozess der Nitrifikation, denn er sorgt dafür, dass organische Abfälle das Wasser nicht belasten, sondern in den Pflanzennährstoff Nitrat umgewandelt werden.
Diese verschiedenen organischen Verbindungen, welche allesamt Stickstoff enthalten, werden durch Bakterien und Pilze zunächst zu Ammonium umgewandelt. In der Regel kommt es daher in der Einfahrphase zum sogenannten Ammonium-Peak, da diese Bakterien als erste ausreichend Nahrung finden und sich gut vermehren können.
Die Nitrosomonas-Bakterien wandeln hierbei Ammonium in Nitrit um, welches sich im späteren Verlauf der Einfahrphase in dem Nitrit-Peak niederschlägt. Abschließend wird das Nitrit von den Nitrobacter-Bakterien in Nitrat umgewandelt.
Ammoniak vs. Ammonium – der pH-Wert entscheidet
Ein wichtiges Detail, das oft übersehen wird: Ammonium (NH4+) ist für deine Aquarienbewohner weitgehend harmlos – Ammoniak (NH3) hingegen ist hochgiftig. Welche Form vorliegt, hängt vom pH-Wert ab. Bei einem pH-Wert unter 7 liegt der Stickstoff überwiegend als harmloses Ammonium vor. Steigt der pH-Wert über 7 – was besonders bei hartem Leitungswasser mit hoher KH häufig vorkommt – verschiebt sich das Gleichgewicht zugunsten des giftigen Ammoniaks.
In der Praxis bedeutet das: Wenn du hartes Wasser verwendest und der pH-Wert in deinem Becken über 7 liegt, ist der Ammonium-Peak potenziell gefährlicher als bei weichem, leicht saurem Wasser. Ein Grund mehr, in der Einfahrphase keine Tiere einzusetzen und – falls du mit CO2-Düngung arbeitest – diese von Anfang an zu nutzen, da CO2 den pH-Wert auf natürliche Weise leicht absenkt.
Während Ammonium und Nitrit giftig für deine Aquarienbewohner sind, stellt Nitrat keine Bedrohung für Fische und Wirbellose dar und wird zudem (wie auch Ammonium) von deinen Wasserpflanzen * dankend als Nährstoff aufgenommen.
Einfahrphase nach dem Darkstart – die Biologie beginnt zu arbeiten
Wochenplan: Typischer Ablauf der Einfahrphase
Die folgende Tabelle zeigt dir den typischen Verlauf einer Einfahrphase im Aquascape. Die genaue Dauer variiert je nach Beckengröße, Bepflanzungsdichte und eingesetzten Maßnahmen.
| Zeitraum | Was passiert? | Typische Anzeichen | Deine Aufgaben |
|---|---|---|---|
| Woche 1 | Pflanzen stellen auf submersen Wuchs um; erste Bakterien siedeln sich an | Becken sieht noch sauber aus; Kahmhaut an der Oberfläche; evtl. Abwasserpilz an Holz | 2–3 Wasserwechsel (30–50 %); Beleuchtung auf 6 h; noch nicht düngen (bei Soil) |
| Woche 2–3 | Kieselalgen vermehren sich; Ammonium-Peak möglich; Nitrifikation startet | Braune Beläge auf Hardscape und Scheiben; Wasserpflanzen verlieren emerse Blätter | 2–3 Wasserwechsel/Woche; Kieselalgen absaugen; mit 25 % Dünge-Dosis starten |
| Woche 3–5 | Nitritpeak; Kieselalgen gehen zurück; Grünalgen und Fadenalgen treten auf | Nitrit messbar erhöht; Fadenalgen an Pflanzen und Hardscape; submerse Triebe erscheinen | Nitrit regelmäßig testen; Fadenalgen manuell entfernen; Dünge-Dosis auf 50–75 % steigern |
| Woche 5–8 | Nitritpeak klingt ab; Bakterienpopulation stabilisiert sich; Pflanzen wachsen submers | Nitrit sinkt auf 0; Algen gehen zurück; Pflanzenwachstum nimmt zu | Erste Algenfresser einsetzen; 100 % Dünge-Dosis; Wasserwechsel auf 1×/Woche reduzieren |
| Woche 8–12 | Biologisches Gleichgewicht stellt sich ein; System wird stabiler | Wasserklarheit verbessert sich deutlich; konstante Wasserwerte; kräftiger Pflanzenwuchs | Restlichen Besatz langsam ergänzen; Beleuchtungsdauer schrittweise erhöhen |
Wichtig: Dieser Wochenplan ist ein Richtwert. Bei Einsatz von Bakterienpräparaten * oder Filterschlamm-Animpfung kann sich der Ablauf deutlich verkürzen.
Der Nitritpeak im Aquarium
In der Einfahrphase des Aquariums tritt bei den meisten Aquarien der häufig zitierte und gefürchtete Nitritpeak auf. Darunter versteht man einen Anstieg des Nitritgehaltes, welcher teilweise sehr deutlich ausfallen kann und für deine Aquarienbewohner häufig tödlich verlaufen kann.
Der Nitritpeak entsteht beim Abbau von organischem Material. Eiweiße werden hierbei von Bakterien zu Ammonium bzw. Ammoniak abgebaut, welches dann wiederum von anderen Bakterien zu Nitrit verstoffwechselt wird.
Die Menge der Bakterien wird stets vom Nahrungsangebot bestimmt. Wurde zuvor noch nicht viel Nitrit gebildet (was in einem neu aufgesetzten Becken generell der Fall ist), ist die Anzahl der Nitratbakterien noch zu gering, um Nitrit zu Nitrat abzubauen, und es kommt zu einer Häufung von Nitrit.
Das Phänomen des Nitritpeaks ist also ganz natürlich erklärbar und reguliert sich auch wieder von selbst, wenn die Nitratbakterien in ihrer Population aufgeholt haben und somit zahlenmäßig mit dem im Becken vorherrschenden Nahrungsangebot mithalten können.
In diesem Video erkläre ich dir den Nitritpeak im Detail – was genau passiert, wie du ihn erkennst und was du tun kannst:
Verspäteter Nitritpeak – Ursache und Gegenmaßnahmen
Warum ein verspäteter Nitritpeak auftreten kann
Durch das Einsetzen einer größeren Gruppe von Tieren * kann es durchaus vorkommen, dass der gefürchtete Nitritpeak erst dann eintritt, wenn dein Becken schon ein vermeintlich stabiles Gleichgewicht erreicht hat und du bereits Tiere eingesetzt hast. Wenn diese Tiere gefüttert werden und in Kombination mit ihren Ausscheidungen eine größere Menge organischer Abfälle von Bakterien verstoffwechselt wird, kann es dazu kommen, dass die Menge an zuvor etablierten Bakterien nicht ausreichend war und offensichtlich überlastet wird.
Gegenmaßnahmen gegen verspäteten Nitritpeak
Tritt ein solch verspäteter Nitritpeak in einem bereits laufenden und mit Tieren besetzten Becken ein, müssen so lange entsprechende Wasserwechsel durchgeführt werden, bis der Nitritwert nicht mehr ansteigt. Nur so kannst du deine Bewohner vor dem toxischen Nitrit schützen.
Sollte der Nitritwert nicht wie gewünscht absinken, kann man zusätzlich mit biologischen Bakterienpräparaten das bereits laufende Becken nachimpfen, um schneller eine ausreichende Menge an nützlichen Bakterien in das Ökosystem zu bekommen. Ein mögliches und sich seit langem bewährtes Produkt hierfür wäre z.B. das Microbe-Lift Nite-Out II *.
Die nitrifizierenden Bakterien vom Nite-Out II enthalten Stämme von Nitrosomonas, Nitrospira und Nitrobacter, welche allesamt dafür benötigt werden, die toxische Wirkung von Ammonium/Ammoniak und Nitrit im Aquarium zu beseitigen. Die Nitrosomonas oxidieren dabei Ammonium/Ammoniak zu Nitrit und die Nitrobacter und die Nitrospira oxidieren Nitrit zu Nitrat.
Bevor du die ersten Aquarienbewohner in dein neu eingerichtetes Aquarium einziehen lässt, sollte die Einfahrphase im Sinne der Nitrifikation unbedingt vollständig durchlaufen und komplett abgeschlossen sein. Testen kannst du dies ganz einfach und effektiv mit einem Nitrit-Test *. Erst wenn Nitrit nicht mehr nachweisbar ist, solltest du die ersten Tiere in dein Becken einsetzen.
Eine Möglichkeit, die Einfahrphase zu beschleunigen, ist der Einsatz von Bakterienpräparaten *. Hierbei werden dem Aquarium direkt viele nützliche Bakterien zugeführt und du kannst die Zeitperiode abkürzen, welche es unter normalen Bedingungen brauchen würde, bis sich die nützlichen Bakterien in ausreichender Menge von selbst gebildet und stabil etabliert hätten.
Hat dein Aquarium erst einmal ein stabiles Gleichgewicht erreicht, reagiert es auch nicht mehr so sensibel auf verschiedene Einflüsse von außen. Die Wasserqualität bleibt dann mehr oder weniger konstant.
Aquascape nach dem Darkstart – die Bepflanzung nimmt Gestalt an
Wie lange dauert die Einfahrphase im Aquarium?
Bakterien brauchen Nahrung, um sich vermehren zu können. Haben sie zu Beginn der Einfahrphase noch wenig organische Materie zu verstoffwechseln, fällt dementsprechend auch nur wenig Nitrit an, welches zudem rasch in Nitrat umgewandelt und oft auch direkt von den Pflanzen verbraucht wird. In diesem Fall sind weder Nitrit noch Nitrat messbar, und es ist kein Nitritpeak erkennbar.
Das Aquarium ist in diesem Fall allerdings trotzdem noch nicht bereit für einen Besatz von Fischen und Garnelen. Verallgemeinert kann man sagen: Die Einfahrphase dauert so lange an, bis ein Nitrit-Anstieg (also der sogenannte Nitritpeak) messbar wurde und daraufhin das Nitrit auf komplett 0 gefallen ist.
Ein Aquarium kann zwischen zwei bis zwölf Wochen brauchen, bis es auf natürliche Weise vollständig eingefahren ist. Bei einigen Tieren wie z.B. Rennschnecken *, Geweihschnecken * oder anderen Aufwuchsfressern ist es zudem davon abhängig, ob überhaupt bereits genug Aufwuchs vorhanden ist, sodass du sie bedenkenlos einsetzen kannst.
Was tun, wenn kein Nitritpeak messbar ist? (Silent Cycle)
Es kann vorkommen, dass du auch nach 4 Wochen keinen messbaren Nitritpeak feststellst. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass dein Becken nicht eingefahren ist. In einem dicht bepflanzten Aquascape mit wenig organischem Material kann der Nitritpeak so gering ausfallen, dass er mit handelsüblichen Tropfentests nicht nachweisbar ist. Die geringe Menge Nitrit wird sofort in Nitrat umgewandelt und von den Pflanzen verbraucht.
So gehst du vor: Prüfe, ob Nitrat (NO3) ansteigt – das ist ein zuverlässiges Indiz dafür, dass die Nitrifikation funktioniert. Steigt Nitrat an, arbeitet dein Stickstoffkreislauf. Warte trotzdem mindestens 4 Wochen ab Befüllung, bevor du die ersten robusten Tiere (Schnecken) einsetzt, und beobachte deren Verhalten in den ersten Tagen genau.
Wasserwerte richtig messen – welche Tests, wie oft?
Um den Fortschritt deiner Einfahrphase zu überwachen, brauchst du zuverlässige Wassertests. Tropfentests sind deutlich genauer als Teststreifen und für die Einfahrphase dringend empfohlen.
| Wassertest | Wie oft in der Einfahrphase? | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Nitrit (NO2) * | Alle 2–3 Tage | Anstieg → Peak → Abfall auf 0 = Nitrifikation abgeschlossen |
| Nitrat (NO3) | 1× pro Woche | Anstieg zeigt funktionierende Nitrifikation; Zielwert 10–25 mg/l |
| Ammonium/Ammoniak (NH4/NH3) | 1× pro Woche (bei pH > 7) | Sollte im Verlauf sinken; bei pH > 7 besonders wichtig |
| pH-Wert | 1× pro Woche | Zielbereich 6,0–7,5; bestimmt Ammonium/Ammoniak-Verhältnis |
| KH / GH * | Einmalig + nach jedem WW | Beeinflusst pH-Stabilität und Pflanzenwachstum |
Nach der Einfahrphase reicht es in der Regel aus, die Wasserwerte einmal pro Woche zu kontrollieren – oder nach dem Einsetzen neuer Tiere engmaschiger (alle 2–3 Tage) zu testen, um einen verspäteten Nitritpeak frühzeitig zu erkennen.
Nach einer erfolgreichen Einfahrphase kann das Aquarium dann – langsam – besetzt werden, um die schadstoffabbauenden Bakterien im Filter * und im Bodengrund Stück für Stück an die nun zunehmende Belastung zu gewöhnen.
Einfahrphase im Aquarium beschleunigen – so geht's
Dichte Bepflanzung ist eine der effektivsten Maßnahmen, um die Einfahrphase zu beschleunigen
Maßnahme 1: Dicht bepflanzen
Was du ganz konkret machen kannst, um dem Ungleichgewicht von Anfang an entgegenzuwirken, ist es, von Beginn an so dicht wie nur irgendwie möglich zu bepflanzen. Möglichst auch mit schnell wachsenden Arten wie z.B. Stängelpflanzen *. Aber auch der Einsatz von Hilfspflanzen wie Schwimmpflanzen * oder auf der Wasseroberfläche treibenden Pflanzen wie z.B. der Wasserpest * oder Hornkraut * wäre eine super Möglichkeit, um die Pflanzenmasse insbesondere in der Einfahrphase zu erhöhen. Ich persönlich bin ein großer Fan von Schwimmpflanzen, und das nicht nur während der Einfahrphase!
Maßnahme 2: Richtig düngen
Die Pflanzen sollten selbstverständlich auch von Anfang an mit ausreichend Nährstoffen versorgt werden, sodass sie gut und langfristig gesund wachsen können. In den ersten Wochen solltest du jedoch bei Verwendung von Soil-Bodengrund * darauf achten, nicht direkt mit der vollen Dünge-Dosis zu starten, die du für dein Becken errechnet hast – die Pflanzen müssen sich ohnehin noch auf den submersen Wuchs umstellen und haben ihren Stoffwechsel noch nicht in vollem Maße aktiviert.
Ich persönlich dünge meine Becken nach der Estimative Index Methode *. Da der Soil-Boden insbesondere in den ersten Tagen und Wochen noch sehr viele Nährstoffe ans Wasser abgibt, fange ich erst ab Woche 2 mit der 25-prozentigen Dünge-Dosis an und steigere diese in den kommenden Wochen jeweils um 25 %, bis ich in Woche 5 mit 100 % der zuvor errechneten Dünge-Dosis dünge.
| Woche | Dünge-Dosis (bei Soil) |
|---|---|
| Woche 1 | 0 % (Soil gibt genug Nährstoffe ab) |
| Woche 2 | 25 % |
| Woche 3 | 50 % |
| Woche 4 | 75 % |
| Ab Woche 5 | 100 % |
Weiterführende Infos zum Thema Düngung im Pflanzenaquarium erhältst du in meinem Artikel: Düngung im Aquascape: Wann, wie oft und wieviel?
Maßnahme 3: ADA Bodengrundzusätze
Um die Ansiedlung von nützlichen Bakterien in deinem Becken zu unterstützen bzw. zu beschleunigen, kannst du – wie ich es immer beim Start eines neuen Beckens mache – auf die Bodengrundzusätze von ADA * zurückgreifen, hierbei ganz konkret:
- ADA Bacter 100 *: Enthält 100 verschiedene Arten nützlicher Bakterien, welche allesamt zur Stabilität des Ökosystems beitragen und den Abbau organischer Substanzen im Substrat fördern.
- ADA Clear Super *: Ergänzendes Produkt, das das Wachstum der nützlichen Bakterien von Anfang an bestmöglich fördert.
- ADA Tourmaline BC *: Natürliches Mineralienprodukt zur Unterstützung der Wasserqualität.
Zur weiteren Verbesserung der Mikrobiologie (also neben den Bakterien auch die sogenannte Begleitfauna) verwende ich zusätzlich unter dem Bodengrund das Mironekuton-Pulver *. Dies ist ein japanisches, zu 100 % natürliches Mineralienpulver ohne weitere Zusätze und fördert von Beginn an die Entwicklung der wichtigen Mikroorganismen im Filter und im Bodengrund.
Maßnahme 4: Bakterienpräparate und Filterschlamm
Alternativ oder ergänzend gibt es noch die Methode des Animpfens mit einem Bakterienpräparat wie z.B. dem Nite-Out II *. Hiermit kann sich die gewünschte Bakterienflora einfach schneller etablieren.
Oder auch das Animpfen mit Filterschlamm aus einem bereits eingefahrenen Becken (in welchem ja bereits viele Bakterien enthalten sind) ist eine gute Möglichkeit. Hierbei nimmst du einfach einen Teil der bereits länger eingelaufenen „verschmutzten" Filterschwämme und drückst diese in deinem Filter bzw. direkt ins Wasser aus.
Beide Maßnahmen zielen letztlich darauf ab, dass sich eine nützliche Bakterienflora aus einem breiten Spektrum schneller herausbilden kann.
Maßnahme 5: Häufige Wasserwechsel und Reinigung
Wasserwechsel in der Einfahrphase – ja oder nein?
In der Aquaristik-Community gibt es unterschiedliche Meinungen zum Thema Wasserwechsel in der Einfahrphase. Manche argumentieren, dass Wasserwechsel den Bakterien Nahrung entziehen und den Aufbau verlangsamen. Für Aquascapes mit Soil-Bodengrund empfehle ich dennoch häufige Wasserwechsel (2–3 pro Woche, 30–50 %), da Soil gerade in den ersten Tagen und Wochen massiv Nährstoffe ans Wasser abgibt. Ohne Wasserwechsel würde dieser Nährstoffüberschuss Algen förmlich einladen.
Bei klassischen Gesellschaftsaquarien ohne Soil und mit geringem Pflanzeneinsatz kann man die Wasserwechsel in der Einfahrphase reduzieren oder ganz darauf verzichten – hier brauchen die Bakterien die organischen Reste im Wasser als Nahrung.
Insbesondere in den ersten Wochen sollten häufigere Wasserwechsel durchgeführt werden (ich mache hierbei 2–3 pro Woche, jeweils 30–50 %) und versuche dabei so viele lose sitzende Algen mit dem Schlauch abzusaugen wie nur möglich.
Die Beläge an den Scheiben entferne ich mit einem Klingenreiniger * oder mit einem Spülschwamm. Diese Reinigungsarbeiten an den Scheiben oder am Hardscape * solltest du unbedingt vor dem eigentlichen Wasserwechsel durchführen, sodass du anschließend beim Absaugen des Wassers so viele im Wasser treibende Algensporen mit absaugen und direkt aus dem Becken entfernen kannst.
Hierbei brauchst du übrigens keine Angst zu haben, dir beim Wasserwechsel die nützlichen Bakterien mit abzusaugen, denn diese sitzen zum Großteil im Bodengrund und im Filter * und treiben nicht frei im Wasser umher!
Gerade bei fädigen Grünalgen ist es übrigens durchaus normal, dass sich diese nach der manuellen Entfernung wieder sehr schnell und auch stark neu bilden können. Hier musst du dann einfach Geduld und Durchhaltevermögen beweisen, bis sich nach einer längeren Standzeit des Beckens ein biologisches Gleichgewicht entwickeln kann – also eine gute Balance zwischen den nützlichen Bakterien, den Pflanzen und den Algen.
Maßnahme 6: Darkstart – Bakterien ohne Algendruck aufbauen
Der Darkstart (auch „Dunkelstart") ist eine Methode, bei der du dein frisch eingerichtetes Aquarium in den ersten 3–5 Tagen komplett abgedunkelt betreibst – also bei ausgeschalteter Beleuchtung. Die Idee dahinter: Die Bakterien bekommen einen Vorsprung, ohne dass Algen gleichzeitig vom Licht profitieren können.
Diese Methode ist besonders bei Soil-Böden sinnvoll, da der Soil in den ersten Tagen besonders viele Nährstoffe ans Wasser abgibt. Ohne Licht können Algen diese Nährstoffe nicht nutzen – die Bakterien hingegen arbeiten auch im Dunkeln. Während des Darkstarts solltest du trotzdem den Filter laufen lassen und tägliche 50-%-Wasserwechsel durchführen, um den anfänglichen Nährstoffüberschuss des Soils zu reduzieren. Nach 3–5 Tagen schaltest du das Licht ein und startest mit reduzierter Beleuchtungsdauer.
Maßnahme 7: Beleuchtung schrittweise erhöhen
Während der Einfahrphase solltest du die Beleuchtungsdauer bewusst reduzieren. Der Grund: Deine Pflanzen befinden sich noch in der Umstellung auf submersen Wuchs und können Nährstoffe noch nicht voll aufnehmen – starkes Licht würde daher vor allem den Algen zugutekommen.
| Zeitraum | Beleuchtungsdauer |
|---|---|
| Darkstart (Tag 1–5) | 0 Stunden (Licht komplett aus) |
| Woche 1–4 | 6 Stunden (ggf. Mittagspause: 3h – Pause – 3h) |
| Woche 5–8 | 8 Stunden |
| Ab Woche 9–12 | 8–10 Stunden (Enddauer) |
Nutze unbedingt eine Zeitschaltuhr, damit die Beleuchtungszeiten jeden Tag gleich bleiben. Ein unregelmäßiger Lichtzyklus stresst sowohl Pflanzen als auch Tiere und begünstigt Algen.
Aquarien durchlaufen eine Einfahrphase, bevor sie ihr stabiles biologisches Gleichgewicht erreichen
Fehler während der Einfahrphase im Aquarium
Was du auf gar keinen Fall während der Einfahrphase machen solltest, ist irgendetwas an deinen zuvor festgelegten Werten zu ändern – sei es die Beleuchtungsdauer, die Beleuchtungsintensität oder die Düngung *!
Wenn du hierbei etwas veränderst, muss sich jedes Mal aufs Neue das Gleichgewicht versuchen zu etablieren. Das System muss sich auf die geänderten Parameter einstellen, welche wiederum andere Werte beeinflussen – und das Ganze fängt immer wieder von vorne an!
Die häufigsten Fehler in der Einfahrphase
- Zu früh Tiere einsetzen – bevor der Nitritpeak abgeschlossen ist
- Parameter verändern – Beleuchtungsdauer, Intensität oder Düngung spontan anpassen
- Panik bei Algen – hektisch eingreifen statt dem System Zeit zu geben
- Zu viel auf einmal besetzen – den gesamten Besatz gleichzeitig einsetzen
- Zu selten Wasserwechsel – gerade in den ersten Wochen sind 2–3 pro Woche ideal
- Filtermedien reinigen – den Filter in der Einfahrphase nicht mit Leitungswasser auswaschen (zerstört die Bakterien)
- CO2-Düngung vergessen – ohne CO2-Düngung wachsen die Pflanzen zu langsam, um gegen Algen zu konkurrieren
Also habt Geduld und das Ganze wird sich – ggf. sogar noch beschleunigt durch die entsprechenden Maßnahmen und Produkte – von selbst regulieren und letztlich gestärkt etablieren! Am Ende wird alles gut, und ist es nicht gut, so ist es nicht das Ende… also gib deinem Becken nur genug Zeit!
Stabil laufendes Aquascape – so sieht das Ergebnis einer erfolgreichen Einfahrphase aus
Erster Besatz – wann und welche Tiere?
Sobald es deine Wasserwerte zulassen – also wenn kein Nitrit mehr durch einen Wassertest * nachweisbar ist – kannst du die ersten Fressfeinde in Form von algenfressenden Tieren einsetzen.
Gerade die im Aquascaping sehr beliebten Amano-Garnelen *, aber auch die kleineren Zwerggarnelen * sind sehr effektive Algenvertilger – vor allem bei fädigen Grünalgen, welche öfter in der Einfahrphase auftauchen. Gegen sämtliche Algenbeläge, egal ob auf Steinen, Wurzeln oder auf den Scheiben, sind alle Arten von Rennschnecken * und Geweihschnecken * eine sehr gute Wahl. Diese raspeln förmlich die Algenbeläge runter, egal von welchen Flächen und Materialien.
| Tiergruppe | Einsatzzeitpunkt | Hauptaufgabe |
|---|---|---|
| Turmdeckelschnecken (TDS) | Ab Woche 3–4 (bereits wenn Nitrit rückläufig) | Sehr robust; lockern den Bodengrund auf; fressen Futterreste und Algenbeläge |
| Schnecken * | Ab Woche 5–6 (Nitrit = 0, genug Aufwuchs) | Algenbeläge auf Scheiben, Steinen & Holz entfernen |
| Amano-Garnelen * | Ab Woche 5–6 (Nitrit = 0) | Fadenalgen und Grünalgen effektiv bekämpfen |
| Zwerggarnelen | Ab Woche 6–8 | Feinere Algen, Biofilm und Aufwuchs fressen |
| Fische * (z.B. Salmler) | Ab Woche 8–12 (System stabil) | Besatz aufbauen – langsam und in kleinen Gruppen |
Beim Einsetzen deiner Tiere – insbesondere wenn du verschiedene Arten vorsiehst – solltest du die einzelnen Arten gesondert, also nacheinander einsetzen und nicht gleich den kompletten Besatz in das noch recht fragile Ökosystem geben.
Besonders in der ersten Zeit solltest du auch etwas sparsamer füttern, sodass sich die Bakterienpopulation langsam an die neue Belastung gewöhnen kann und du keinen heftigen Nitrit-Anstieg riskierst. Eine gute Ergänzung zum Trockenfutter ist übrigens selbst gezüchtetes Lebendfutter wie Artemia.
Tiere richtig eingewöhnen – so geht's
Damit deine neuen Bewohner den Umzug ins Aquarium stressfrei überstehen, solltest du sie langsam an die neuen Wasserwerte gewöhnen. Die bewährteste Methode ist die Tröpfchenmethode (Drip-Acclimatization):
- Beutel öffnen und die Tiere samt Transportwasser in einen sauberen Eimer geben.
- Aquarienwasser langsam zutröpfeln – mit einem dünnen Luftschlauch und einem Knoten als Regulierung (ca. 2–3 Tropfen pro Sekunde). Das Wasservolumen im Eimer sollte sich innerhalb von 30–45 Minuten ungefähr verdoppeln.
- Tiere vorsichtig mit einem Kescher in das Aquarium umsetzen – das Transportwasser aus dem Eimer nicht ins Becken geben, da es Krankheitserreger enthalten kann.
- Licht ausschalten und erst nach 1–2 Stunden wieder einschalten, damit die Tiere sich in Ruhe orientieren können.
- Erst am nächsten Tag füttern – das gibt den Tieren Zeit, sich einzugewöhnen.
Besonders bei Garnelen ist eine sorgfältige Eingewöhnung entscheidend, da sie empfindlicher auf plötzliche Veränderungen der Wasserwerte reagieren als die meisten Fische.
Abschließende Gedanken zur Einfahrphase im Aquarium
Solltest du die eigentlich von selbst langsam laufenden Prozesse positiv beeinflussen und unterstützen wollen, so solltest du folgende Maßnahmen unbedingt in Erwägung ziehen: häufigere Wasserwechsel und Reinigungsarbeiten, viel Pflanzenmasse bestenfalls gleich von Anfang an oder nachträglich über Hilfspflanzen, Bakterienpräparate bereits beim Aufbau deines Bodengrundes, oder das Animpfen deines Beckens durch Filterschlamm oder Bakterienkulturen.
Und: Keine Änderungen während dieser ohnehin instabilen Phase selbst verursachen, sondern Finger weg und Durchhaltevermögen beweisen, egal wie schlimm es zwischenzeitlich auch aussehen mag – ich verspreche dir, nach ein paar Wochen hast du es überstanden und kannst dich langfristig an deinem stabil laufenden Becken erfreuen!
Wenn du die Wasserqualität zusätzlich verbessern möchtest, empfehle ich dir meinen Artikel über Huminstoffe im Aquarium – ein echtes Multitalent für die Gesundheit deiner Tiere und die Stabilität deines Beckens.
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Checkliste: Ist mein Aquarium eingefahren?
Bevor du die ersten Tiere einsetzt, sollten alle folgenden Punkte erfüllt sein:
- ☐ Nitrit dauerhaft auf 0 mg/l – nachdem zuvor ein messbarer Peak aufgetreten ist (oder mindestens 4 Wochen bei Silent Cycle)
- ☐ Nitrat ist messbar – ein Anstieg zeigt, dass die Nitrifikation funktioniert
- ☐ Kieselalgen gehen zurück – braune Beläge werden weniger
- ☐ Pflanzen treiben submerse Blätter – neue, an die Unterwasser-Bedingungen angepasste Triebe
- ☐ Wasserklarheit hat sich verbessert – das Wasser ist klarer als in den ersten Tagen
- ☐ Mindestens 4 Wochen seit Befüllung vergangen
- ☐ Wasserwerte stabil – pH, KH und GH schwanken nicht mehr stark
Alle Punkte erfüllt? Dann ist dein Aquarium bereit für die ersten Bewohner – starte mit robusten Algenfressern wie Schnecken und Garnelen!
FAQ – Häufige Fragen zur Einfahrphase
Wie lange dauert die Einfahrphase im Aquarium?
Ein Aquarium braucht in der Regel 2 bis 12 Wochen, bis es vollständig eingefahren ist. Die exakte Dauer hängt von der Beckengröße, der Bepflanzungsdichte und davon ab, ob beschleunigende Maßnahmen wie Bakterienpräparate oder Filterschlamm eingesetzt werden. Entscheidend ist, dass der Nitritpeak messbar aufgetreten und wieder auf 0 gefallen ist.
Woran erkenne ich, dass die Einfahrphase abgeschlossen ist?
Die Einfahrphase gilt als abgeschlossen, wenn der Nitritwert dauerhaft bei 0 mg/l liegt – nachdem zuvor ein messbarer Nitritpeak aufgetreten ist. Zusätzliche Anzeichen sind klares Wasser, zurückgehende Algen und gesund wachsende Pflanzen mit submersen Trieben.
Sind Algen in der Einfahrphase normal?
Ja, Algen sind in der Einfahrphase völlig normal. Zuerst treten meist braune Kieselalgen auf (ab Woche 2), dann Grünalgen und Fadenalgen. Da das Gleichgewicht zwischen Pflanzen und Algen noch nicht ausgewogen ist, haben Algen zunächst freie Bahn. Mit der Zeit und durch gezielte Maßnahmen reguliert sich das von selbst.
Kann ich die Einfahrphase beschleunigen?
Ja, es gibt mehrere bewährte Methoden: dichte Bepflanzung von Anfang an (vor allem schnellwachsende Stängelpflanzen und Schwimmpflanzen), Einsatz von Bakterienpräparaten wie Microbe-Lift Nite-Out II, Animpfen mit Filterschlamm aus einem bereits eingefahrenen Becken und Verwendung von Bodengrundzusätzen wie ADA Bacter 100.
Wann darf ich die ersten Tiere einsetzen?
Die ersten Tiere dürfen eingesetzt werden, sobald Nitrit nicht mehr nachweisbar ist (0 mg/l). Starte mit robusten Algenfressern wie Schnecken und Amano-Garnelen. Fische sollten erst eingesetzt werden, wenn das System seit mehreren Wochen stabil läuft – und dann in kleinen Gruppen nacheinander, nicht alle auf einmal.
Was ist ein verspäteter Nitritpeak?
Ein verspäteter Nitritpeak kann auftreten, wenn du eine größere Gruppe Tiere auf einmal in ein scheinbar stabiles Becken einsetzt. Die zusätzliche organische Belastung durch Futter und Ausscheidungen überfordert die noch nicht ausreichend angewachsene Bakterienpopulation. Sofortige Wasserwechsel und ggf. Nachimpfen mit Bakterienpräparaten sind dann erforderlich.
Muss ich während der Einfahrphase düngen?
Bei Verwendung von Soil-Bodengrund ist in Woche 1 keine zusätzliche Düngung nötig, da der Soil selbst Nährstoffe abgibt. Ab Woche 2 solltest du mit 25 % der errechneten Dosis starten und wöchentlich um 25 % steigern. Bei inertem Bodengrund (Kies, Sand) kann von Beginn an gedüngt werden – hier fehlen sonst die Nährstoffe für die Pflanzen.
Kein Nitritpeak nach 4 Wochen – was tun?
Das muss kein Problem sein. Bei dicht bepflanzten Aquascapes kann der Nitritpeak so gering ausfallen, dass er mit Tropfentests nicht nachweisbar ist (sogenannter Silent Cycle). Prüfe, ob Nitrat ansteigt – wenn ja, funktioniert die Nitrifikation. Warte mindestens 4 Wochen, dann kannst du vorsichtig erste robuste Tiere wie Schnecken einsetzen.
Wie oft Wasserwechsel in der Einfahrphase?
Bei Aquascapes mit Soil-Bodengrund empfehle ich 2–3 Wasserwechsel pro Woche (jeweils 30–50 %), um den anfänglichen Nährstoffüberschuss des Soils zu reduzieren und Algen vorzubeugen. Bei klassischen Gesellschaftsaquarien ohne Soil kann man die Frequenz reduzieren – hier brauchen die Bakterien die organischen Reste als Nahrung.
Kann ich ein Aquarium ohne Pflanzen einfahren?
Grundsätzlich ja, aber es dauert deutlich länger und der Algendruck ist höher. Pflanzen konkurrieren aktiv mit Algen um Nährstoffe und tragen zur Stabilisierung des Ökosystems bei. Für ein reines Fischaquarium ohne Pflanzen solltest du mindestens 6–8 Wochen Einfahrzeit einplanen und mit Bakterienpräparaten arbeiten.
